Virtuelles Reisen nach Tokio

Auch wenn Japan die Einreisebestimmungen langsam lockert, ist es im Moment sehr unwahrscheinlich, dass in diesem Jahr noch Touristen einreisen dürfen. Als kleine Entschädigung für die Leser meiner Bücher aus der Labyrinth-Reihe habe ich mir daher Gedanken über das virtuelle Reisen gemacht. Dabei kommt ein neues Feature von Apple Maps gerade recht, welches bereits ab iOS13 eingeführt wurde und selbst für MacOS beim nächsten Update auf Big Sur kommt. Das Feature heißt Look Around und ist eine Art von Street View – allerdings um einiges besser als das Original von Google! Die Aufnahmen sind mit höherer Auflösung in HDR nur bei gutem Wetter aufgenommen und werden bei Look Around komplett im 3D-Raum modelliert und dargestellt. Dadurch bewegt man sich sehr realistisch durch die Straßen und auch die Zwischenbilder werden aufgrund des 3D-Modells schon fast perfekt berechnet. Hinzu kommt noch, dass die Abstände zwischen den einzelnen Aufnahmen geringer sind als bei Google. Zum Glück gibt es Apple Maps Look Around seit August 2020 auch für Tokio und drei weitere japanische Städte. In Tokio wurde ab 2019 fast das gesamte Straßennetz mit Fahrzeugen abgefahren und selbst Gehsteige im Zentrum, öffentliche Fußwege, Fußgängerbrücken und Durchgänge wurden zu Fuß mit einem Kamerarucksack erfasst. Was leider fehlt, sind die meisten Parks, Gärten sowie Tempel- und Schreinanlagen mit einigen Ausnahmen wie z. B. der Yoyogi-Park und der Großteil des Asakusa-Geländes mit Nakamise-Dori zumindest bis zum Hozomon. Zusätzliche Hinweise für Leser, die keine Geräte von Apple haben, gibt es am Ende des Beitrags.

Ich habe mir die Mühe gemacht, alle Touren in beiden Bänden von »Labyrinth Tokio« und »Tokyo Maze« zu überprüfen und eine empfohlene Reihenfolge festzulegen. Touren mit einem hohen Anteil an Fußwegen durch Parks und Gärten, die nicht zugänglich sind, fallen leider raus. Wer beide Labyrinth-Bände hat, findet insgesamt 33 Touren, die sich gut als virtuelle Tour eignen und von denen man ganz nach eigenen Interessen auswählen kann. Also auf geht’s virtuell nach Tokio! 

Einfach die entsprechende Kapitelkarte im Buch aufschlagen und mit dem iPhone oder iPad zu einem virtuellen Rundgang starten. Dazu wählt man einfach den entsprechenden Kartenausschnitt in der Kartenapp von Apple und drückt dann auf das Fernglas-Symbol. Sollte da kein Fernglas-Symbol sein, dann ist die iOS-Version zu alt, ab iOS13 sollte es aber funktionieren. Sobald das Fernglas in der Karte auf dem Startpunkt der Tour platziert ist, kann man einfach die Straßenansicht auf den gesamten Bildschirm ausbreiten und sich über den Touchscreen durch die Straßen bewegen.

Nachdem Apple Anfang 2019 begonnen hat zunächst wichtige Straßen abzufahren und dann in 2020 auch kleinere Seitenstraßen und Gehwege, gibt es an manchen Stellen interessante Effekte zu beobachten. So ist mein geliebtes Angelus-Café in der Orange Street in Asakusa zwar bereits geschlossen, aber immerhin steht das Gebäude im Mai 2019 noch. Sobald man sich aber auf den Bürgersteig oder in die schmale Seitenstraße daneben begibt, verschwindet das Gebäude und ein temporärer Parkplatz erscheint. In der Ferne sieht man von der Orange Street aus noch den gesamten Skytree. Sobald man sich aber in die Seitenstraße oder den Bürgersteig begibt, wird die untere Hälfte durch das Gebäude des neuen Asakusa Tobu Hotel verdeckt. So dynamisch wie in Tokio abgerissen und neu gebaut wird, muss Apple also auch weiterhin regelmäßig seine Scouts durch die Straßen schicken, um solche interessanten Effekte gering zu halten.

Wer kein Apple-Gerät besitzt, kann solche Touren natürlich auch mit Streetview von Google Maps oder der kostenlosen Software Google Earth machen. Stellenweise sind die Streetview-Ansichten bei Google sogar aktueller, allerdings ruckeln bzw. springen die Übergänge zwischen zwei Aufnahmen etwas und das virtuelle Erlebnis ist damit nicht ganz so eindrucksvoll wie bei Apple Maps. Als Entschädigung wagen sich die Google-Scouts mit ihren Kamerarucksäcken auch z. B. auf das Gelände des Meiji-Schreins. Ein weiterer Vorteil bei Google Earth ist, dass man sich die KML-Files meiner 20 Online-Karten laden kann, ich im im Band 1 zum Download bereitstelle. Mehr dazu habe ich bereits 2016 in diesem Beitrag auf Japan in München geschrieben.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß bei den virtuellen Touren durch Japan und hoffe, dass wir diese in 2021 wieder durch ganz reale Touren ersetzen können!

Band 1: Labyrinth Tokio – 38 Touren:
18 beste virtuelle Touren
14. 12. 8. 4. 6. 7. 21. 23. 11. 18. 13. 9. 19. 28. 25. 39. 31. 30. 

Band 2: Labyrinth Tokio – 30 neue Touren:
15 beste virtuelle Touren
5. 7. 9. 11. 16. 17. 10. 14. 18. 12. 8. 6. 13. 19. 26. 

Tokyo Maze – 42 walks: 
20 beste virtuelle Touren
14. 12. 8. 4. 6. 7. 25. 20. 19. 18. 22. 13. 26. 21. 9. 28. 31. 39. 35. 34.